Zufall und Humor im kreativen Duett – Bebelaar / Joos / Kroll

Die krankheitsbedingte Absage des Bassisten brachte im Lörracher Jazztone das Bebelaar-Joos-Kroll-Projekt auf die Bühne.

Es war eine durchaus ungewöhnliche Besetzung, die am Freitagabend im Jazztone zu hören war. Weil Bassist Günter Lenz erkrankt war, der Jazzclub-Vorsitzende Werner Büche das Konzert aber nicht ausfallen lassen wollte, sprang kurzfristiger Ersatz ein, allerdings mit völlig anderen Instrumenten. So war ein ganz einmaliges Trio zu erleben, bestehend aus dem Trompeter und Flügelhornisten Herbert Joos, dem Pianisten Patrick Bebelaar und statt eines Basses spielte Frank Kroll Sopransaxophon und Bassklarinette.
Aber ein Jazzer, der nicht improvisieren könnte, wäre im falschen Metier, und weil alle Drei Könner und alte Hasen sind, funktionierte diese spontane und ungewohnte Besetzung bestens. Mit viel Humor und Spiel- und Experimentierfreude entwickelte sich ein faszinierendes Konzerterlebnis, das changierte zwischen expressiven Improvisationen, Free-Jazz-Einsprengseln und weit ausgreifenden melodischen Passagen.
Wie unbeabsichtigt hingespielte Klänge vom Piano eröffneten den Auftritt, gefolgt von gehauchten Tönen aus der gedämpften Trompete, bis das Piano eine orchestrale Kraft entfaltete, die Trompete mit eruptiven Ausbrüchen konterte und die Bassklarinette mit ausdrucksstarkem Knarzen einstieg. Dennoch entwarfen die drei Musiker nahezu romantische Melodiebögen. Die Musik driftete in lautmalerische und experimentelle Gefilde ab, Patrick Bebelaar zupfte die Saiten des Konzertflügels und Herbert Joos entlockte seiner Trompete ungewöhnliche Töne, bis das Ganze wieder Fahrt und Groove aufnahm, was auch ohne Bass bestens gelang. Die Kompositionen stammten von Bebelaar und Joos, aber auch Frank Kroll trug ein Stück bei, in welchem er mit seinem Sopransaxophon indisch inspirierte Musik spielte, wozu Bebelaar die Pianosaiten zupfte, dass sie wie eine Harfe, vielleicht ein bisschen wie eine Sitar klangen.
Herbert Joos, der nächste Woche 77 Jahre alt wird und im Januar den baden-württembergischen Jazz-Sonderpreis für sein Lebenswerk erhalten hat, Joos, der insbesondere mit dem Vienna Art Orchestra zu Ruhm kam und im Jazztone schon mit dem Tubisten Michel Godard aufgetreten ist, überraschte mit lyrischen Flügelhorn-Soli. Mit seinem „Song for Thelonious“ knüpfte er an Monk an, der ihm eines Nachts als Geist aus der Weinflasche erschienen sei, und begeisterte dabei auch mit Scat-Gesang. Sensationell, mit welcher Tongestaltung und mit welchem Druck er seine Instrumente spielte.
Auch Patrick Bebelaar verblüffte mit Virtuosität und Gestaltungskraft und dem Reichtum an Klangfarben, die er aus dem Piano hervorzauberte. Frank Kroll mischte munter mit, als würde er schon immer dazugehören, mit großartigen Saxophon- und Klarinetten-Soli. Versiert spielten sich die Drei die Bälle zu, übernahmen abwechselnd die Führung, bis ein anderer auf die Vorlagen einstieg, und dabei versprühten sie eine Menge verbalen und musikalischen Humor. Es war ein einmaliges Konzertereignis, aber durchaus ein sehr eindrucksvolles, weil das herausragende Können und die unbändige Lust an der Musik die drei Akteure auch in ungewohnter Konstellation zum Glänzen brachte.

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