Auf den Spuren Alexander Jaroslawitsch Newskis

Mit meinem Freund und Kollegen Vladimir Goloukhov präsentierten wir unsere CD (High In The Clouds), die bereits im Februar letzten Jahres im Moskauer Label ArtBeat erschienen ist zum zweiten Mal in Russland.
Perislawl 2Dieses Mal (man kann es ja „ganz dezent“ im Hintergrund erkennen) war es das Land Baden-Württemberg, dass die Reise ermöglichte und uns nicht nur ins JazzCenter sonder auch noch in die Stadt Alexander Newskis brachte: ins schöne Pereslawl-Salesski. Ausgestattet mit Urkunden und großem Dank gab es ein ausverkauftes Konzert und schliesslich noch ein Besuch am Standort des einstigen Hauses des Fürsten und Volksheiligen. Natürlich auch einen Saunabesuch, Bier und Trockenfisch. Den Sprung ins vom Eis befreite Wasser habe ich aber nicht gewagt. Das hat Vladmir für uns beide übernommen… Die nächsten Konzerte sind schon in der Planung! Dann aber im Sommer! Petrosawodsk, Murmansk, Archangelsk, Nowgorod, Kostroma und Vologda stehen auf dem Plan…

Perislawl 1

Ehre wem Ehre gebührt ;-))

 

hier bin ich: nicht schwanger! Einfach nur bestens eingepackt – ganz den schrecklichen Temperaturen angepasst…

Unterwegs

Im Flugzeug sah ich vor einigen Wochen den Film HUNGER GAMES.
Anschliessend dachte ich bei mir, dass die Welt nicht so einfach, nicht so schwarz-weiss gestrickt ist. Alles erschien mir viel zu plakativ, viel zu sehr auf Betroffenheit und die schlechte dekadente Welt konzentriert zu sein. Zuviel: „denkt über Euer schlechte Charakter nach und wie weit seit Ihr schon Teil dieser dekadenten Welt.“ Hinzu kam die schrecklich plumpe und einfallslose Assoziation mit den KZs der Nazis, so das man einfach zum Schluss kommen muss, dass es sich bei diesem Film und billige Betroffenheits-Mache handelt.

Vor wenigen Tagen dann flog ein Mensch vom Himmel auf die Erde herab und brach dabei den ein oder andere Weltrekord oder brach ihn auch nicht. Das schien gar nicht so wichtig zu sein. Viel wichtiger hingegen war wohl die Tatsache, ob er das Ganze überhaupt überlebt oder ob die Übertragung frühzeitig beendet werden wird. 20 Millionen Menschen ließen diesen Kitzel nicht entgehen und verfolgten das Ganz nahezu live. Wie damals im Circus Maximus in Rom – vielleicht sollte ich meine vernichtende Kritik den Film HUNGER GAMES noch einmal überdenken???

Südafrika

Inzwischen ist wieder mal einiges passiert:

So waren Michel und ich in Südafrika, wo wir in Durban einige Konzerte und einen Workshop gaben. Unterstützt wurden wir von finanziell vom Ministerium für Kunst in Baden-Württemberg, freundschaftlich vor allem von Uli Süße, der uns darüber hinaus natürlich auch als „unsichtbarer Dritter“ auf der Bühne mit Zuspielungen und musikalischer Kommunikationsbereitschaft zur Seite stand.

Es war auch Durban, von wo aus ich zum ersten mal etwas auf meiner Facebook-Seite postete!!!!
– Aber es gab auch wunderschöne Konzerte
(siehe diese Kritik: http://www.goingplacessa.co.za/article_detail.asp?Article_ID=2874#.UFCpMEOXlu4.facebook )
und auch wunderbare Momente auf einer der schönsten Terrassen auf diesem Erdball:

sa2 sa1

 

„once again south africa is burning for the music of michel godard and patrick bebelaar“
habe ich mir erlaubt dieses wunderschöne Foto zu dokumentieren!
01

 

Zuletzt sollte ich Euch den Blick aus Ulis neuem Heim in Kapstadt nicht verheimlichen, denn der ist schon recht grandios oder wie der Schwabe sagt: Nicht schlecht!

Panorama-Ulis-Haus

Anschließend dann einer meiner ganz persönlichen Feiertagshöhepunkte 2012:
Endlich heiraten Bruno und Thea! Wir waren alle begeistert und meine Frau schoss u.a. diese beiden wunderschönen Fotos, die die Stimmung bestens wiedergeben:

hochzeit1 hochzeit2

Kaum topbar!

Inzwischen haben die Konzerte nach dem langen Sommerloch wieder begonnen und Vince und ich hatten in DITZINGEN sage und schreibe 400 Gäste zum Beglücken!

Gestern dann die Aufzeichnung des weihnachtlichen Kochgipfels in Baden-Baden, der wohl am 16.12.2012 auch ausgestrahlt werden wird…. Das Essen war jedenfalls sehr gut! Die Musik müsst Ihr euch dann schon selbst anhören.
(Fotos werde ich hoffentlich bald nachliefern können!!!)

Zuletzt dann noch ein trauriges Ereignis, zu dem ich nichts weiter sagen muss. Er war ein Original, der sehr viel aus eigener Initiative und aus eigenem Geldbeutel für Stuttgart und den Jazz getan hat!

Pischl

 

STUPOR MUNDI

24.7.2012

Endlich habe ich mit Dieter Ilg zusammen veröffentlicht!
– Allerdings nur als Autor eines Textes – und dazu noch haben wir den Text nicht einmal zusammen geschrieben. Sondern er den seinige und ich den meinigen.
Nachzulesen im „Häuptling Eigner Herd – JAZZ“! (Edition Vincent Klink)
Allerdings sind wir uns auch mal wieder über den Weg gelaufen und das bei einem wunderbaren Festival im Kloster Lorch. Eigentlich gab es ja gutes Essen, aber wir waren wohl zu spät und so gab es nur noch Brot. Die Enttäuschung war dann auch groß?!

Nichtsdestotrotz war die Stimmung bestens und voller Vorfreude erwarte ich die Aufnahme, die während des Konzerts entstand und rein analog sein wird. Das ist wohl eine Art Bekenntnis zur Ehrlichkeit, denn anschließende Korrekturen sind so gut wie unmöglich!
Wie es allerdings dann doch noch zu so ausgelassener Stimmung kommen konnte, dass Michel sich zu vergessen schien und Gavino die Chance nutzte, gleich ein paar „Erpresser-Fotos“ zu machen, die bereits bei FACEBOOK gepostet sind, kann ich nicht mehr genau sagen. Vielleicht stand aber ja doch noch etwas Wein herum, den wir zum Brot nahmen?!

Zurück bleibt die Erinnerung an ein wunderschönes Konzert an einem mystischen Ort mit einer außergewöhnlichen Besetzung. Und sicherlich gibt es schon recht bald einiges von diesem Konzert als Video auf unseren Seiten zu finden. Auch einige Fotos dürften dabei sein, denn Rüdiger Schestag war vor Ort und hat alles festgehalten!

Carlo Rizzo, Michel Godard, Gavino
Murgia, ich und Vincent Klink
im Hintergrund…

Italien – Lyon!

17. Juli 2012
Nun bin ich auch auf FACEBOOK, was meinem Sohn Kolja zu verdanken ist, der sich mal um meine Kariere gekümmert hat und wer weiß, vielleicht hat er ja durchaus recht und ich sollte mich ein wenig mehr mit den modernen Möglichkeiten auseinander setzen?!
Ob ich dieses neue Tool allerdings bewältigt bekomme, wird sich erst noch herausstellen müssen. Denn wenn ich so nachlässig damit umgehe wie mit meinen Tagebucheinträgen, dürfte ich dort bald kaum noch Freunde habe. Aber vielleicht ist das ja eine Art Reality-Check? Jedenfalls muss mich nun natürlich nicht jeder gleich auf Facebook heimsuchen, zumal wenn er/sie bereits mein Freund ist.

Allerdings sollte ich heute auch ein wenig über das Schreiben, was in den letzten Wochen so alles los war:

So habe ich mit Bernd Settelmeyer ein Duo (Klavier gegen Schlagzeug) in Italien spielen dürfen und das sogar zweimal. Sozusagen mit Wiederholungsspiel. Leider war kein Neutraler auf dem Platz, der einen eindeutigen Sieger hätte bestimmen können, aber das Elfmeterschießen der Italiener gegen England haben wir gesehen und waren ein wenig erstaunt, dass niemand hupend durch die Stadt fuhr. Allerdings waren wahrscheinlich nur wenige Engländer da, die aus Rache den Italienern der Schlaf rauben wollten und all zu viele Italiener schien es dort auch nicht zu geben. Ich sollte vielleicht erwähnen: Wir waren in Südtirol…

Bernd Settelmeyer kurz vor dem entscheidenden Fehler in meiner Deckung (linker Arm/Hand schützt nicht den Tastenbereich) und dem daraus resultierenden Führungston…

– Und dann war da noch ein Deutsch-Französisches-Filmfestival in Lyon, zu dessen Eröffnung Michel Godard und ich unsere musikalischen Straßen-Musiker-Qualitäten unter Beweis stellen konnten. Für mich ging es dabei noch mal gut zu, denn ich wurde verstärkt und abgenommen während der arme Kollege an der Tuba und dem Serpent sich gegen eine laut rauschende Leinwand (die mit Luft aufrechterhalten wurde) durchsetzen musste. Alles im Allem war es aber wunderschon in Lyon und ich freue mich schon auf einen weiteren Besuch in dieser wunderbaren Stadt des Übergewichts. Außerdem bescherte mir dieses Konzert gleich einen neuen Eintrag bei Facebook, wo ein Konzertbesucher (aus ALGERIEN!!! Der erste Algerier an meiner Pinwand!) mir schrieb, dass er sich gleich die ganze CD bei iTunes gekauft habe, obwohl er eigentlich nur „anouschkas song“ wollte…
Lyon bei Nacht …  und bei Dämmerung 

März 2012

27.3.2012

Es ist nun bereits über ein Jahr her, dass Rüdiger Schestag einen Film über das Fotografieren von Musikern und insbesondere von Pianisten machte. (auf FotoTV, link folgt wenn veröffentlicht)
Dass er mich dabei als Model wählte, liegt natürlich nicht nur an meinem unglaublich guten Aussehen. Vielmehr musst das gutaussehende Model ja auch ein Instrument beherrschen und das schränkte die Wahl zu meinen Gunsten ungeheuerlich ein!
Also: Anschauen und lernen. Im Übrigen gibt es nicht nur viele kleinere Filme von Rüdiger im Netz, die mit meiner Musik unterlegt sind, wir werden auch bald im selben Buch veröffentlichen: Der Neue „Häuptling eigener Herd“ dient nicht nur mir als Spielwiese meines literarischen Könnens sondern auch Rüdiger, der in dieser Ausgabe (Thema: JAZZ) einiges an Fotos beigesteuert hat.

19.3.2012
In unendlichen Generationen zuvor, konnte niemand meines Berufsstands von dem leben, was ihn berührte. Sie alle mussten täglich Neues komponieren, aufführen und niemand fragte, ob es Spaß mache, ob es eben das sei, was sie sich so vorgestellt hatten, als sie den Beruf ergriffen, ergreifen mussten. Sie mussten arbeiten und die Wünsche des Geldgebers befriedigen, um das Leben der Familie und ihr eigenes Leben zu ermöglichen.
Ich lebe heute allerdings ganz und gar ohne diese Ängste. Ich kann nicht sagen, dass das immer so war – ganz im Gegenteil! Es gab Zeiten, da war das Wasser aus dem Wasserhahn schon fast zu teuer. Es gab Zeiten, da musste ich mit 5/6 Stunden Schlaf zurechtkommen. Zeiten, da schaute ich täglich mehrmals auf mein Konto und schlief nicht eine Nacht durch.
Auch heute muss ich Nachts aufstehen, aber es ist nicht mein Kontostand, der mich zur Toilette treibt!
– Ich lebe in Freiheit, zu arbeiten und mein Geld mit etwas zu verdienen (zumindest zu einem großen Teil), das ich mir einst als Lebensziel gesucht habe. Ich spiele Klavier. Ich komponiere ab und an und unterrichte. Ich leide keinen Hunger, muss nicht in den Krieg, kenne nicht einmal jemand, der in den Krieg muss, oder gar sein Leben auf dem sinnlosen Feld der Ehre hat verlieren müssen, geopfert für alles andere, als Freiheit. Ich lebe mit einer Menge an Freiheit und Freizeit, wie es sie zuvor noch nie auf dieser Welt gab. Ich lebe in einem warmen Haus, dass ich fast mein Eigen nennen kann und mit einer Lebenserwartung, die unübertroffen ist, so Gott, Buddha, Allah und der Rest des Götterclans wollen…
Als wäre all das alles noch nicht ungerecht gegenüber den unendliche vielen Generationen vor mir genug, die mit ihren Tränen und Mühen dies alles erst ermöglichten, habe ich auch einen Menschen an meiner Seite, bei dem ich manchmal auf den Gedanken komme, doch esoterisch werden zu müssen, um zu erklären, ich würde ihn („sie“ eigentlich) bereits aus einem vorherigen, einem anderen Leben kennen und wir würden heute nur vollenden woraus man uns in einem vorherigen Leben viel zu früh gerissen hat. Ob allerdings dieses Leben dazu reicht wage ich zu bezweifeln und behalte mir die Unersättlichkeit des Lebens und am Leben!
– Nein! Es gibt keinen Grund zu klagen! Und es gibt keinen Grund, nicht auf die ein oder andere Annehmlichkeit zu verzichten, wenn es ein wenig mehr dieser generationsübergreifenden Ungerechtigkeit, dass scheinbar alles Glück Heute in unserer Zeit wiederspiegelt, etwas gerechter auf die Welt zu verteilen.
Und so langsam glaube ich es zu lernen: Zufrieden zu sein – nicht als „global player“, nicht als Weltberühmtheit, einfach nur „Verrückter“, eben „Künstler“ hier im Dorf, der das Glück hat, hin und wieder über seinen Tellerrand gucken zu dürfen, weil sein Traumberuf ihn in die Welt geleitet, weil er sicher und (ab)gesichert ist, frei und im Luxus lebend, wissend, dass er nichts mehr suchen muss, sondern einfch nur noch LEBEN!

Welche Erkenntnis, während ich noch knappe zwei Wochen auf meine Frau warten muss…