Bebelaar/Godard/Jarrod/Kroll/Beck

Aufgrund der politischen Geschehen der letzten Jahre, hat Patrick Bebelaar sich entschlossen sein Werk Pantheon (Kompositionsauftrag der Inter. Bachakademie, 2005) neu für seine aktuelles Quintett zu bearbeiten und auf die Bühne zu bringen. In seiner Komposition PANTHEON geht es um Bachs H-Moll Messe. Bebelaar übernimmt Struktur und Stilmittel der H-Moll Messe. Musikalisch geht er allerdings eigene Wege. Darüber hinaus übernimmt er den ökumenischen Gedanken Bachs. Bebelaar nutzt, einem Cantus Firmus gleich, Melodien aus anderen Weltreligionen und Kulturen  (Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus und afrikanische Naturreligionen) an den Stellen der Komposition, die strukturell oder aber thematisch der bachschen Vorlage gerecht werden. So entsteht ein friedliches Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen, wie es (leider) nur in Kunst und Musik anzutreffen ist. Eine musikalisch-künstlerisches Statement, das leider in diesen Tagen aktueller den je geworden ist. Das Pantheon ist Ort des Geschehens, an dem alle Gottheiten gleichermaßen Verehrung finden. Aufführungen fanden u.A.  beim Bachfest Stuttgart, den Internationalen Theaterhaus Jazztagen und den Ludwigsburger Schlossfestspielen statt.

„Eine Welt, in der diese musikalische Freiheit möglich ist und in der ein großes Publikum sie leidenschaftlich feiert, kann nicht gänzlich verloren sein.“ (Bernd Haasis in der SZ, 2024)

Patrick Bebelaar – piano
Michel Godard – tuba, serpent, e-bass
Jarrod Cagwin – percussion
Frank Kroll – s.sax, b-clar.
Christoph Beck – t.sax, bariton sax, b-clar.

Michel Godard ist einer der profiliertesten europäischen Jazzmusiker, der auf der Tuba mehrstimmige Spieltechniken einsetzt, auch zeitgenössische und Alte Musik spielt und in sehr unterschiedlichen Ensembles und Besetzungen.

Jarrod Cagwin ist international ein gefragter und renommierter Percussion. Seit 1999  Mitglied der Band von Rabih Abou-Khalil. Außerdem arbeitete er mit Charlie Mariano, Dusko Goykovich, Joe Beck, Joe Lovano, Dave Samuels, Gabriele Mirabassi, Howard Levy, Gary Burton und anderen.

Frank Krolls eigener, von verschiedenen Kulturen beeinflusster Instrumentalstil, macht ihn zu einem außergewöhnlichen Musiker. Als solcher spielte er auch in den Projekten  der indischen Musiker Pandit Vikash und Prakash Maharaj und dem Schweizer Schlagzeuger Pierre Favre. 2003 wurde Kroll mit dem Jazzpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Seine Einspielungen sind auf verschiedensten Jazzlabels zu finden, u.a. auch beim Münchner Label ECM.

Christoph Beck ist Stipendiat der Baden-Württemberg Stiftung ist unter anderem Mitglied der „Tobias Becker Bigband“. Unter eigenem Namen erschienen bereits zahlreiche CDs. Darüber hinaus ist er auf viele weiteren CDs als Sidman zu hören.

Patrick Bebelaar wurde im Jahr 2000 mit dem Jazzpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Er komponierte im Auftrag der Internationale Bachakademie (2002, 2005 und 2008), des Deutschen Literaturarchivs u.v.a.
Auf der Bühne wie auf zahlreichen Einspielungen ist er mit inter. Kollegen wie Joe Fonda, Carol Rizzo, Herbert Joos, Günter Lenz, Pandit Prakash Maharaj, , Mike Rossi, Garvino Murgia u.v.a. zu hören. Spartenübergreifend trat er u.a. mit Schriftstellern wie Peter O. Chotjewitz, Peter Härtling, Oskar Pastior, Adonis auf. Konzertreisen führen ihn immer wieder nach Südafrika, Indien, GUS, die USA, VAE und natürlich Europa.


Grenzenlose Möglichkeiten

Am Karfreitag hat der Pianist Patrick Bebelaar gezeigt, wie Miteinander geht: Der aus Trier stammende Wahl-Stuttgarter lässt solo das musikalische Traumbild „The Truth and other Lies“ im Raum erstrahlen, dann mit dem Saxofonisten Frank Kroll den Standard „Round Midnight“. Dazu kommen Christoph Beck am Saxofon, Michel Godard an Tuba und Serpent sowie der quirlige Perkussionist Jarrod Cagwin. Alle sind sie große Geschichtenerzähler, die Noten intuitiv zu großen und kleinen Dramen aufreihen, erhabene Momente erschaffen, die Grenzenlosigkeit der musikalischen Möglichkeiten spürbar machen. In Bebelaars Großwerk „Pantheon“, 2005 für die Bachakademie komponiert, haben alle Weltreligionen und Kulturkreise ihren Platz.

Auch Bachs h-Moll-Messe scheint durch, angereichert durch ein bisschen Blues. Die wohlbefeuerte Vielstimmigkeit bringt den ausverkauften Saal zum Kochen. Das Publikum spendet tosenden Applaus. Was von diesem Festival-Wochenende nachhallt, sind Funken der Hoffnung:

Eine Welt, in der diese musikalische Freiheit möglich ist und in der ein großes Publikum sie leidenschaftlich feiert, kann nicht gänzlich verloren sein. Wenn das keine Osterbotschaft ist.
(VON BERND HAASIS, Stuttgarter Zeitung, April 2024)


Weltumspannende musikalische Botschaft

STUTTGART. Die Besucher im Theaterhaus sind Qualität gewohnt. Doch was Patrick Bebelaar und seine vier Mitstreiter am Karfreitag auf die Bühne brachten, war auch für Fans mit hohen Ansprüchen bemerkenswert.
Der 53-Jährige hatte kurz gezögert, als ihm die Festivalmacher eine Wildcard und damit einen ganzen Abend nach seinem Gusto angeboten hat-ten. Was er dann daraus gemacht hat, ließ alle schwärmen, die dabei waren.
Bebelaar startete mit seiner Eigenkomposition »The Truth And Other Lies«, leitete über zu Jobims »How Insensitive« und verknüpfte es gekonnt mit Monks »Round Midnight«. Ein fast verträumter Beginn, dann wilde Ausbrüche und eine hörenswerte Neu-Interpretation von Standards, von denen mancher irrtümlich glaubte, sie seien völlig abgenudelt.

Dabei spielt auch eine Rolle, wen sich der Pianist als Mitstreiter geholt hat. Saxofonist Frank Kroll und Tuba- und Serpent-Spieler Michel Godard sind langjährige Weggefährten. Da heißt es nicht »Tempo um jeden Preis und ständig schnelle Läufe«. Die gibt’s auch. Aber auffällig ist das konzentrierte Miteinander.
Jarrod Cagwin hat ein ganzes Arsenal von Rahmen-Trommeln, Becken, Rasseln und Schellen dabei und begleitet die Reise durch mehrere Kulturen. Denn da folgt die fast einstündige und abwechslungsreiche Tour durch die großen Weltreligionen – inspiriert von Johann Sebastian Bach.
»Pantheon« hat Bebelaar 2005 seine Komposition für die Bach-Akademie genannt. Ausgangspunkt ist die h-Moll-Messe. Doch Bebelaar unternimmt einen ausgedehnten Ausflug in Gegenden, die vor Jahrhunderten kaum jemandem in Mitteleuropa vertraut gewesen sein dürften. Kurzzeitig klingt die Band wie eine Klezmer-Truppe, später dominieren orientalische Klänge. Danach folgen Passagen, die in hinduistische oder buddhistische Teile der Welt führen. Eine starke Botschaft, passend zu Ostern. Und eine beeindruckende musikalische Umsetzung.

(VON JOACHIM KREIBICH, Reutlinger Generalanzeiger April 2024)